 |
Großübung "Himmelsleiter"
12.06.2006
Es brach so überraschend wie die Wetterwende nach Wochen von Dauerregen
und Sturm mit außergewöhnlichen Einsätzen für und über
die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises herein. In den Mittagsstunden des
vergangenen Samstags wurden zunächst die Löschzüge Goldkronach-Nemmersdorf
und Weidenberg-Sophiental sowie die Ortswehren des Steinachtales alarmiert,
nachdem ein Wanderer bei der Polizei einen Notruf abgesetzt hatte, dass er in
einem Waldstück bei Untersteinach Rauch entdeckt habe.
Der Wanderer allerdings war kein Geringerer als Kreisbrandrat Hermann Schreck,
der seine Mannen, Gerätschaften und die Funktion aller damit verbundenen
Hilfs- und Rettungsorganisationen sowie Behörden mit einer Großübung
erneut auf den Prüfstand stellen wollte. Damit, dass dies nach einer groß
angelegten Übung in der Therme Obernsees im vergangenen Oktober so rasch
geschehen sollte, hatte offensichtlich niemand gerechnet. Entsprechend schnell
lief die Maschinerie nach der Erstalarmierung an, da zunächst alle Einsatzkräfte
von einem Ernstfall ausgingen.
In Untersteinach wurde die Einsatzleitung durch die "Unterstützungsgruppe
Örtliche Einsatzleitung" ( UG-ÖEL ) des Landkreises aufgebaut,
Kreisbrandinspektor Hans-Rainer Birkner übernahm die Funktion des Örtlichen
Einsatzleiters.
Zur Erkundung des Brandobjektes, das sich inmitten des großen Waldstückes
zwischen Nemmersdorf, Weidenberg und Warmensteinach mit unzähligen Wegabbiegungen
fern jeglicher Wasserversorgung befand, musste der Revierförster Peter
Schöffel hinzugezogen werden, der den ersteintreffenden Kreisbrandmeister
Konrad Bauer bei der Lokalisierung unterstützte.
An der vermeintlichen Einsatzstelle angekommen, stellte sich das Ausmaß
des zu bewältigenden Einsatzes in Form eines Waldflächenbrandes mit
rund einem halben Quadratkilometer als gefährliches Großschadensereignis
dar. Dementsprechend wurden zur Bekämpfung des Feuers weitere Wehren an
den Ort des Geschehens gerufen. Insgesamt 22 Wehren mit weit rund 250 Kräften
waren im Übungseinsatz.
Da an der angenommenen Brandstelle mit einem Flächenausmaß von 500.000
Quadratmetern keine Wasserversorgung zur Verfügung stand, wurden etliche
Tanklöschfahrzeuge eingesetzt, die von Wasserentnahmestellen in Oberwarmensteinach,
Untersteinach und Nemmersdorf gespeist wurden. Zusätzlich wurden lange
Schlauchstrecken von nahezu zwei Kilometern unter Hinzuziehung von etlichen
Tragkraftspritzen kleinerer Ortswehren verlegt. Besonders schwierig gestaltete
sich aufgrund der extremen Strecken und Höhenunterschiede die Wasserförderung
an die Übungsstelle. Hier hat sich die Wichtigkeit von Personal und Gerätschaft
kleinerer Wehren zusammen mit den Stützpunktwehren, die über Tanklöschfahrzeuge
verfügen, gezeigt.
Insgesamt wurden weit über 100.000 Liter Löschwasser befördert.
Die Wasserförderung durch Tanklöschfahrzeuge erwies sich dagegen eher
als Notlösung - im Ernstfall würden hier laut Führungskräften
vor allem landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Güllefässern in Betracht
kommen.
Bei der Einsatzübung hatte man jedoch aufgrund des guten Wetters und der
damit für die Landwirte verbundenen Mehrarbeit darauf verzichtet.
Für die Wasserförderung selbst wurde ein Pendelverkehr eingerichtet,
der sich aufgrund der unzähligen Wegstrecken, der verwinkelten Einsatzstelle
und der schmalen Forstwege als äußerst kompliziert darstellte und
es dadurch gelegentlich zu ungewollten Begegnungen und Stauungen gekommen war.
An der Einsatzstelle selbst wurde eine Waldschneise geschlagen, die zur Eingrenzung
des Schadensgebietes erforderlich ist.
Fiktiv hinzugezogen wurden Hubschrauber mit Aussenlastträgern zur Brandbekämpfung
aus der Luft sowie der Rettungshubschrauber Christoph 20, da man davon ausging,
dass eine Einsatzkraft bei Baumfällarbeiten schwer verletzt wurde.
Wie im Ernstfall auch, müsste bei derartigen Großschadensereignissen
mit langwieriger Einsatzzeit die Verpflegung des Personals gewährleistet
sein. Bei der Übung versorgte das THW Pegnitz unter Leitung von Rudolf
Unger die 250 Einsatzkräfte mit Speisen und Getränken - bestens und
fulminanter mit warmer Speise als im Ernstfall träumenswert.
Nach über drei Stunden originalgetreuem Einsatzablauf schließlich
wurde die Übung abgebrochen, die umfangreich eingesetzte Gerätschaft
verstaut und Bilanz gezogen. In der Verbandsschule Weidenberg trafen sich Feuerwehrführung,
Einsatzkräfte, Verantwortliche von Landratsamt sowie die zuständigen
Bürgermeister Wolfgang Fünfstück und Günther Hoppert zur
Abschlussbesprechung.
Einig war man sich dabei über die Wichtigkeit solcher Übungen, anhand
derer der Ernstfall zu bewältigen ist. Kreisbrandrat Hermann Schreck zeigte
die Bilanz der letzten Wochen und Monate auf. Nach den außergewöhnlichen
Einsätzen bei Schneechaos, Sturm und Hochwasser sei ein Flächenbrand
die noch verbleibende Naturgewalt "Feuer", die die Hilfsorganisation
in Atem halten könnte. "Diese Übung möge uns vom Ernstfall
bewahren, unumgänglich sind solche Großübungen dennoch",
so der Kreisbrandrat.

Der Örtliche Einsatzleiter ( ÖEL ) Kreisbrandinspektor Hans-Rainer Birkner gab von der Einsatzleitung in Untersteinach aus den Einsatzbefehl für die Wehren - hier die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Goldkronach.

mittels Faltbehältern wurde das angefahrene Wasser gesammelt und zur Brandbekämpfung eingesetzt.

Kreisbrandmeister Konrad Bauer hatte den schwierigsten Abschnitt direkt an der Einsatzstelle zu leiten. Hier Lagebesprechung mit den Weidenberger Feuerwehrleuten Marco Kießling, Kerstin Schmidt sowie dem Revierförster Peter Schöffel
Text: Carolin Rausch, Leiterin FB Öffentlichkeitsarbeit KFV Bayreuth e. V.
Fotos: Petra Schreck, Sven Kaniewski FB Öffentlichkeitsarbeit KFV Bayreuth e. V.
|
 |