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Kreisfeuerwehrtag 2006 - Kommandantendienstversammlung
25.07.2006
Die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Bayreuth stehen vor neuen, großen Herausforderungen. Dies wurde bei der Dienstversammlung der Kommandanten im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages in Kirchenbirkig überdeutlich. Einerseits im Einsatzgeschehen, das breite Bahnen durch Großschadensereignisse bei Unwettern zieht, die Ehrenamtlichen zu großen personellen und die Behörden zu finanziellen Anstrengungen zwingt. Andererseits eine Zeit, in der immer weniger Feuerwehrleute vor allem tagsüber den Arbeitsplatz verlassen können, um zu Einsätzen auszurücken. Die Skala der Einsatzstatistik schnellt dabei nach oben und steuert nach der Tendenz des ersten Halbjahres zufolge auf eine neue Höchstmarke zu. Bereits 685 Mal waren die Feuerwehrleute des Landkreises von Januar bis Juli, teilweise bei schwersten Einsätzen mit Personalbindungen von bis zu 18 Stunden, unterwegs, um Menschen zu helfen und Hab und Gut zu sichern.
Hinzu kommt die Aufgabe, geeignete Nachfolger für Führungskräfte zu finden, die aus Altersgründen ihrer Mission nicht mehr folgen dürfen. Einer von ihnen ist der stellvertretende Kreisbrandrat und Ausbildungsinspektor Joachim Judas aus Bad Berneck, der im Oktober diesen Jahres ausscheidet. Den Kreisfeuerwehrtag nutzte Landrat Dr. Klaus Günter Dietel, ihn gebührend zu ehren und seinen Nachfolger erstmals öffentlich zu benennen. Der bisherige Kreisbrandmeister Erwin Stahlmann aus Mistelbach wird ab 01. November dieses Amt, das als tragende Säule für die Aus- und Fortbildung der Ehrenamtlichen gilt, übernehmen. Mit dieser Position einhergeht die Leitung der sogenannten Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Bayreuth, die bei überörtlich bedeutsamen Einsätzen unterstützend eingreift. Für diesen Bereich hatte der Landrat die gute Nachricht parat, dass der Kreisausschuss vor wenigen Tagen einstimmig der Beschaffung eines neuen Einsatzleitfahrzeuges ELW 2 zugestimmt hat, dessen Gesamtkosten sich auf rund 220.000 Euro belaufen. Rund 171.000 Euro entfallen auf den Landkreis, 49.000 Euro werden aus dem Katastrophen-Fond des Freistaates Bayern fließen. Dass dem Feuerwehrwesen nicht mit schönen Worten gedient, sondern nur mit konkreten Taten gedient sei und der Landkreis Bayreuth sich gerne daran messen lasse, zeigte Landrat Dr. Klaus Günter Dietel anhand von Zuschüssen in Höhe von insgesamt 190.000 Euro für überörtlich bedeutsame Investitionen auf, die der Kreisausschuss erst vor wenigen Wochen abgesegnet hatte. Als Beispiel wurde der Rüstwagen für die Feuerwehr Weidenberg, das Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20/16 für die Feuerwehr Pegnitz, die Löschfahrzeuge LF 20/16 und LF 10/6 für die Feuerwehren Waischenfeld und Kirchenlaibach sowie die Nachrüstung der mobilen Netzersatzanlage mit einer Stromabgabeeinrichtung für das THW Pegnitz genannt.
Als komplexes Thema in Feuerwehrkreisen erweist sich auch die Errichtung einer Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach sowie der Digitale Funk. Allein für die digitalen Endgeräte im Landkreis Bayreuth würden nach Rechnung des Landrates rund 2 Millionen Euro Kosten anfallen. Investitionen, die nur mit einem entsprechenden Förderprogramm zu schultern wären.
Kreisbrandrat Hermann Schreck ging nochmals auf die enormen Belastungen der unzähligen Unwettereinsätze seit dem letzten Winter mit den Schwerpunkten Schnee, Sturm und Wasser ein und zollte den Einsatzkräften Respekt für die umsichtige, zielstrebige und ruhige Abarbeitung der Einsatzstellen. Festzustellen bleibe, dass die Abstände zwischen den teils extremen Unwettereinsätzen immer kürzer würden und an den Orten meist ein Bild der Verwüstung vorzufinden sei, auf das sich die ehrenamtliche Hilfsorganisation einstellen müsse. Voraussetzung für die Bewältigung sei vor allem eine solide Ausbildung, die nötige technische Ausstattung und die nötige Personalstärke, auch tagsüber. Eine stolze Bilanz präsentiert der Chef der Feuerwehren bei den Ausbildungen, die im ersten Halbjahr allein mit 599 Lehrgangsteilnehmern im Landkreis zu Buche schlägt. Diese Ausbildung im Landkreis Bayreuth sei eine enorme Kostenersparnis für die Kommunen, wie auch Landrat Dr. Dietel verdeutlichte.
Weiterhin erklärtes Ziel ist den Ausführungen des Kreisbrandrates zufolge die enge Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen sowie der Polizei. Man wolle offen und ohne Vorbehalte aufeinander zugehen, die Vertrauensbasis stärken und sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam die Alarmierung der Zukunft gestalten und Verständnis für die Belange des anderen aufbringen.
Besonders widmen werde man sich in nächster Zeit auch dem Thema Notfallseelsorge, nachdem erste Fälle von psychischen Problemen nach schweren Einsätzen aufgetreten seien. "Ich werde es nicht zulassen, dass sich meine Feuerwehrleute, ehrenamtlich, unentgeltlich und ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit für in Not geratene einsetzen und dabei selbst einen seelischen Schaden erleiden", so Schreck unter dem Beifall der Kommandanten und Führungskräfte.

Kreisbrandrat Hermann Schreck bei seinen Ausführungen anlässlich der Kommandantendienstversammlung im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages 2006
Text und Fotos: Carolin Rausch, Leiterin FB Öffentlichkeitsarbeit
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