Großübung Leupoldstein

18.06.2007

Es ist ein schweres Unglück, das den kleinen, idyllischen Ort Leupoldstein binnen weniger Minuten in großen Schrecken versetzt. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die ländliche Idylle im südlichsten Fleckchen des Landkreises Bayreuth in ein hektisches Treiben von Rettungs- und Hilfskräften, dessen Zahl und Umfang auch für aufmerksame Schaulustige zunächst nur schwer erkennbar ist. Doch das Schreckenszenario ist glücklicherweise nur eine Großübung, die wohl im Terminkalender der Ehrenamtlichen Seltenheitswert haben dürfte. Kurz vor halb zwei Uhr erfolgte am Samstag Nachmittag eine Alarmierung über die Ständige Wache Bayreuth, dass sich im Ortskern von Leupoldstein bei Betzenstein ein Verkehrsunfall unter Beteiligung eines Schulbusses und eines Gefahrgutlastwagens ereignet habe. Infolge dessen war es zu einem weiteren Unfall mit eingeklemmten Personen gekommen, durch die Explosion einer Kammer des Lastkraftwagens seien mehrere Gebäude in Brand geraten und einsturzgefährdet. Zudem sei aus einem leck geschlagenen Tank Flüssigkeit ausgetreten, die in die Kanalisation laufe. Eine schier unendliche Alarmierungsschleife folgte.

Stellt man sich dieses Großschadensereignis in der Realität vor, vermag man die Frage stellen, wie derartiges von den Hilfsorganisationen abgearbeitet werden kann. Am vergangenen Samstag bewiesen diese jedoch, wie Koordination und Bündelung von Kräften funktionieren muss.

Der vermeintliche Großeinsatz wurde in sechs Abschnitte geteilt, dessen Einsatzkräfte bis zur Spitze gefordert waren. Neben der hohen Priorität für Personenrettung galt eines der wichtigsten Augenmerke auf den Bereich Gefahrgut, dessen Einstufung, Messungen und geeignet Maßnahmen, um weitere Folgen für Mensch und Umwelt zu verhindern. Im Einsatz waren rund 20 Atemschutzgeräteträger und sechs Chemieschutzträger. Einen weiteren Abschnitt bildete die Wasserversorgung, die vom Freibad in Betzenstein nach Leupoldstein über drei Kilometer zu verlegen war. Auch die eigentliche Brandbekämpfung vor Ort bildete einen Abschnitt. Zudem warteten etliche Feuerwehren im Bereitstellungsraum auf weitere Einsätze.

Der Örtliche Einsatzleiter, Kreisbrandinspektor Adolf Mendel, koordinierte den Einsatz unter Mithilfe zahlreicher Führungskräfte und der Unterstützungsgruppe UG-ÖEL, die mit ihrem neuen Einsatzleitfahrzeug ELW 2 vor Ort waren. Die Bilanz des Rettungsdienstes, bestehend aus BRK, Bergwacht und Malteser Hilfsdienst waren 36 vermeintlich Verletzte, die von der Feuerwehr gerettet und an eine Verletztensammelstelle übergeben wurden.

Auch Landrat Dr. Klaus Günter Dietel machte sich ein Bild über die Leistungsfähigkeit seiner Feuerwehrleute und blickte über einen langen Zeitraum über das Einsatzgeschehen.

Insgesamt waren rund 300 Einsatzkräfte aus 23 Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst vor Ort, die Übung dauerte rund drei Stunden. Die Bedeutung dieser Übung reicht über die Grenzen des Landkreises Bayreuth hinweg in den Landkreis Forchheim. In dreimonatiger Vorbereitungszeit hatte sich dort ein enger Stab aus rund zehn Führungskräften gebildet, um in geheimer Mission vorzubereiten, was sich im Ernstfall niemand wünscht und wohl im Geheimen manchen an das Gasunglück von Lehrberg erinnert. Am vergangenen Samstag nun hat die Feuerwehrführung unter Leitung von Kreisbrandrat Hermann Schreck ( Landkreis Bayreuth ) und Kreisbrandrat Reinhard Polster ( Landkreis Forchheim ) einen Ernstfall geprobt, der die Vorstellungskraft von Zuschauern und Einsatzkräften vermutlich übersteigt. Sollte er jedoch eintreten, sind die Ehrenamtlichen seit spätestens letztem Samstag noch professioneller darauf vorbereitet.



Kreisbrandmeister Konrad Bauer und ein Kamerad vom THW bei den letzten Vorbereitungen zur Großübung

Ein besonderes Augenmerk galt zunächst der Menschenrettung aus dem verunglückten Schulbus

Insgesamt 36 vermeintlich Verletzte wurden von der Feuerwehr dem BRK übergeben

Dementsprechend hatte auch das BRK alle Hände voll zu tun

Die Kameraden vom THW mit Nachwuchs: unser Dank gilt den Helfern vom THW Pegnitz, Kirchehrenbach und Baiersdorf ( Landkreis Forchheim ) für die Unterstützung bei der Übungsvorbereitung und -durchführung

Besprechung im Stabsraum der UG-ÖEL: ÖEL gemäß ยง 15, KBI Adolf Mendel mit den Fachberatern KBM Harald Schöberl, KBM Ewald Berneth und 1. Polzeihauptkommisar Roland Schmidt von der PI Pegnitz.

Auch das Bayerische Fernsehen interessierte sich für die Großübung und bat Kreisbrandrat Schreck um ein statement. Einen Tag nach der Übung wurde darüber im Bayerischen Fernsehen berichtet

In Folge der Kollision eines Schulbusses mit einem Gefahrgut-LKW ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person

Mittels angebrachter Schilder wurden die nicht realistisch darstellbaren Schadensereignisse aufgezeichnet und mussten von den Feuerwehren abgearbeitet werden

Der Leupoldsteiner Kommandant erkundet als Einsatzleiter die Lage - im umgestürzten Bus waren etliche geschminkte, vermeintliche Verletzte, die es zu retten galt

Der Bereich Gefahrgut bildete einen Einsatzabschnitt. Zu der Explosion einer Kammer des LKWs kam ein leck geschlagener Tank hinzu, der unter Einsatz von CSA abgedichtet werden musste



Text: Carolin Rausch, Leiterin Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
Fotos: Sven Kaniewski, Jeannette Köber

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