 |
Seminar: Stressbewältigung im Einsatzdienst
20.04.2008
Am Freitag, den 18. April 2008, bot der Kreisfeuerwehrverband Bayreuth seinen Mitgliedsfeuerwehren das erste Seminar im Jahr 2008 an. Der Einladung nach Trockau waren insgesamt 70 Feuerwehrleute aus 27 Feuerwehren sowie zahlreiche Feuerwehrführungskräfte gefolgt. Mindestens ebenso herzlich konnten zudem von Kreisbrandinspektor Adolf Mendel einige Kameraden aus den Reihen des THW empfangen werden.
Mit Heiko Pöhnl, Zugführer beim THW Bayreuth, wurde ein erstklassiger Referent zu dem durchaus sensiblen Thema "Stressbewältigung im Einsatzdienst" gewonnen, der im Laufe des Vortrages viele selbst erlebte Ereignisse einstreuen konnte.
Der multimedial unterstützte Vortrag eröffnete mit der Vorführung einer Reihe Bildaufnahmen von vergangenen und größtenteils bekannten Einsätzen sowohl des THW als auch der Feuerwehren. Die Teilnehmer wurden so auch an selbst erlebte Geschehenisse zurückerinnert.
Unter dem Stichwort "Wir sind immer für alle da - wer ist für uns da?" leitete Pöhnl auf die Situation der ehrenamtlichen Hilfskräfte über. Als Ansprechpartner nach belastenden Einsätzen gebe es sogenannte PEERs (sinngemäße deutsche Übersetzung: Helfer bei Belastungsbewältigung). Hiervon gibt es insbesondere im Bereich der Feuerwehren derzeit zwei Personen im Landkreis mit entsprechender Ausbildung: die Frauenbeauftragte Ursula Grundmann und KBM Andreas Heizmann. Auf Seiten des THW gibt es hierzu bereits seit Mai 2006 ein sogenanntes "CISM-Team" (englische Abkürzung für Critical Incident Stress Management; deutsche sinngemäße Übersetzung: Stressbewältigung für Einsatzkräfte - SbE).
Deren Einsatzbereich gliedert sich im wesentlichen in zwei Aspekte, die primäre und die sekundäre Prävention. Während sich das erstgenannte Betätigungsfeld vor allem auf die Schulung und Ausbildung bezieht, betrifft die sekundäre Prävention die Betreuung von Hilfskräften bereits während und nach Einsätzen.
Ziele dieser Tätigkeit sind insbesondere, traumatischem Stress vorzubeugen und die Gesundheit der Helfer zu erhalten. Außerdem müsse erreicht werden, hierdurch eine Normalisierung einer als außergewöhnlich empfundenen Erfahrung herbeizuführen. Veranstaltungen wie diese dienen dazu, einen persönlichen Kontakt zu geschultem Personal herzustellen und Hemmschwellen abzubauen, gegebenenfalls weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Eingehend erläuterte Pöhnl, welche Folgen belastende Ereignisse auf die Einsatzkräfte in physischer und psychischer Hinsicht haben können. Diese reichen von akuten Belastungsreaktionen über Belastungsstörungen bishin zur sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (englisch: Posttraumatic Stress Disorder, abgekürzt PTSD).
Um diesen Konsquenzen vorzubeugen, werden beispielsweise im Wege der Einzelintervention "Vier-Augen-Gespräche" geführt. Eine weitere Methode ist das sogenannte "Defusing", bei dem beteiligte Einsatzkräfte 12 - 24 Stunden nach Einsatzende zusammenkommen, um mit den PEERs über das Erlebte in entspannter Atmosphäre zu sprechen und sich mit den Kameraden auszutauschen. Die Teilnahme hieran ist prinzipiell freiwillig; im Übrigen besteht über das Gehörte seitens der geschulten Ansprechpartner absolute Schweigepflicht. Bei all diesen Maßnahmen gehe es auch nicht darum, ein falsches Image des "harten Retters" aufrechtzuerhalten. Gerade bei schweren Unglücksfällen mit schwerst verletzten Personen oder Toten sind seelische und körperliche Reaktionen der Helfer völlig normal. Wer hiernach insbesondere das Gespräch mit seinen Kameraden sucht, dem werde es danach auch wesentlich besser gehen. Schließlich habe man keine "Einweghelfer", die man nach Gebrauch entsorgt, wie es Pöhnl treffend ausdrückte.
KBI Mendel erinnerte in einem kurzen Schlußwort an die hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem THW und den Feuerwehren. Mendel betonte, dass derjenige, der dringend auf Hilfe angewiesen ist, letztendlich ja nicht darauf schaue, welche Farbe die Einsatzkleidung des Helfers hat. Es steht vielmehr im Vordergrund, dass schnell und professionell Hilfe geleistet wird.
Zum Dank für den überaus anschaulichen Vortrag überreichten KBI Mendel und Frauenbeauftragte Ursula Grundmann ein kleines Erinnerungsgeschenk.





Text und Fotos: Sven Kaniewski, Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
|
 |