Die regelmäßige Durchführung größer angelegter Einsatzübungen ist ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehrausbildung. Traditionell fanden solche Übungen vielerorts insbesondere im Zeitraum der Brandschutzwoche statt. Im Landkreis Bayreuth hat sich die zeitliche Ausrichtung in den vergangenen Jahren jedoch deutlich geöffnet. Statt die jährlichen Großübungen an einen festgelegten Zeitraum zu binden, steht es den Feuerwehren und ihren besonderen Feuerwehrführungskräften frei, diese über das gesamte Jahr hinweg durchzuführen. Dadurch können die Übungen besser auf die örtlichen Gegebenheiten, die zeitlichen Möglichkeiten und die jeweiligen Ausbildungsschwerpunkte abgestimmt werden.
Ob als Frühjahrs- oder Herbstübung oder während der Sommermonate steht stets das realitätsnahe Training anspruchsvoller Einsatzszenarien im Mittelpunkt. Dabei werden insbesondere die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren, die Koordination unterschiedlicher Einsatzabschnitte sowie die Bewältigung komplexer Einsatzlagen unter möglichst praxisnahen Bedingungen geübt.
Dass dieses Konzept im Landkreis Bayreuth vielfältig umgesetzt wird, zeigten auch mehrere größere Übungen, die Ende September und im Oktober 2026 stattfanden.
Unterschiedliche Einsatzszenarien im gesamten Landkreis
Bereits am 26. September fand eine gemeinsame Übung der Feuerwehren Wiesentfels-Loch, Freienfels, Kainach, Krögelstein und Weiher statt. Angenommen wurde der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens mit einer möglichen Brandausbreitung auf die angrenzende Vegetation. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Löschwasserversorgung dar. Von der im Tal verlaufenden Wiesent aus mussten zwei längere Schlauchförderstrecken bis hinauf zum Übungsobjekt aufgebaut werden. Dabei galt es, jeweils rund 500 Meter Schlauchleitung zu verlegen und einen Höhenunterschied von etwa 40 Metern zu überwinden. Im Anschluss an die Übung konnten sich die beteiligten Einsatzkräfte bei einer gemeinsamen Verpflegung stärken.
Am 28. September wurden die Feuerwehren Lankendorf-Ützdorf und Weidenberg um 18.45 Uhr zu einer angenommenen Brandlage auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Ützdorf alarmiert. Das Übungsszenario sah mehrere vermisste Personen sowie eine unter einem Traktor eingeklemmte Person vor. Neben der Brandbekämpfung galt es daher, die Menschenrettung durchzuführen und die unterschiedlichen Aufgaben an der Einsatzstelle zu koordinieren.
Am selben Abend absolvierten rund 150 Feuerwehrdienstleistende der Unterkreise 6 und 7 eine gemeinsame Einsatzübung in Sachsendorf. Angenommen wurde ein Scheunenbrand im Bereich Hundshof. Das Gebäude wurde mithilfe von Nebelmaschinen stark verraucht, zudem galten zwei Personen als vermisst. Im weiteren Übungsverlauf griff das fiktive Feuer durch Funkenflug auf die umliegende Vegetation über.
Unter der Leitung von Kommandant Manuel Lindner wurde die Einsatzstelle in vier Abschnitte gegliedert: Menschenrettung und Brandbekämpfung, Wasserversorgung, Vegetationsbrandbekämpfung sowie Bereitstellungsraum. Die Bürgermeister Alexander Schrüfer und Hartmut Stern machten sich vor Ort ebenfalls ein Bild von der Leistungsfähigkeit der beteiligten Feuerwehren.
Nach rund eineinhalb Stunden konnte die Übung mit Erreichen der gesteckten Übungsziele beendet werden. Eine kurze Nachbesprechung und eine gemeinsame Brotzeit am Sachsendorfer Feuerwehrhaus bildeten den Abschluss. Beteiligt waren die Feuerwehren aus Sachsendorf, Neuhaus, Aufseß, Drosendorf, Tiefenlesau, Hochstahl, Zochenreuth, Stechendorf, Treppendorf, Hollfeld, Plankenfels, Schressendorf, Nankendorf, Breitenlesau-Siegritzberg, Waischenfeld und Langenloh.
Am 29. September stand für die Feuerwehren Seidwitz, Tiefenthal, Creußen, Neuhof, Losau und Unterschwarzach eine weitere Übung auf dem Programm. Um 19.15 Uhr wurden sie zu einem angenommenen Wohnhausbrand in Seidwitz alarmiert. Eine Person galt als vermisst. Neben der Brandbekämpfung lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem Aufbau einer ausreichenden Löschwasserversorgung.
Weiter fand im Zeitraum der Brandschutzwoche in Eichenbirkig eine Einsatzübung statt. Beteiligt waren die Feuerwehren Rabeneck, Langenloh und Hannberg. Als Übungsszenario wurde der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens angenommen.
Mit einer angenommenen Rauchentwicklung in mehreren Gebäuden und mehreren vermissten Personen wurden die Einsatzkräfte am 2. Oktober um 17 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus in Haag konfrontiert. An der Übung beteiligten sich die Feuerwehren Haag, Schreez, Großweiglareuth, Creußen, Hummeltal, Spänfleck, Lindenhardt, Gottsfeld, Bühl, Mistelgau, Schnabelwaid sowie der Löschzug Bayreuth Süd.
Ebenfalls am 2. Oktober trainierten die Feuerwehren Treppendorf, Stechendorf und Tiefenlesau den Aufbau einer längeren Löschwasserförderstrecke. Im Ortsbereich von Höfen wurde hierfür eine rund 400 Meter lange Schlauchleitung in Richtung Tiefenlesau aufgebaut. Das Löschwasser wurde an der Wiesent angesaugt und über die Förderstrecke zur vorgesehenen Abgabestelle transportiert. Dabei mussten zusätzlich etwa 20 Höhenmeter überwunden werden. Nach Abschluss der Übung trafen sich die beteiligten Feuerwehren am Feuerwehrhaus in Treppendorf, wo der Abend bei einem gemeinsamen Grillen ausklang.
Eine besonders umfangreiche Übung fand am 4. Oktober um 15 Uhr an der Grund- und Mittelschule in Weidenberg statt. Das angenommene Szenario sah einen Brand in einem Klassenzimmer vor, durch den insgesamt 23 Personen im Schulgebäude eingeschlossen waren beziehungsweise als vermisst galten. Für die eingesetzten Kräfte standen damit umfangreiche Maßnahmen zur Menschenrettung und Brandbekämpfung sowie die Sicherstellung der Löschwasserversorgung im Mittelpunkt.
An der Übung beteiligten sich die Feuerwehren Weidenberg, Steinachtal, Seybothenreuth, Lankendorf, Lehen-Glotzdorf, Neunkirchen, Kirchenpingarten, Kirmsees, Tressau, Lienlas, Kirchenlaibach und Speichersdorf.
Herbstübung an einem besonderen Übungsobjekt in Donndorf
Am Abend des 12. Oktober fand eine weitere größer angelegte Herbstübung in der Inspektion II statt. Im Mittelpunkt des anspruchsvollen Übungsszenarios stand das Sportheim Donndorf unterhalb des Schlossparks Fantaisie.
Als Ausgangslage wurde ein Brand im Vereinsheim angenommen, bei dem mehrere Personen im Gebäude eingeschlossen waren und gerettet werden mussten. Kurze Zeit später verschärfte sich die Lage durch eine weitere angenommene Brandausbreitung: Starker Funkenflug führte dazu, dass das Feuer auf die nahegelegene Vegetation im Schlosspark übergriff.
Um die komplexe Einsatzlage zu bewältigen, gliederte die Einsatzleitung unter Kommandant Helmut Zeitler die Einsatzstelle in mehrere Abschnitte und wies den alarmierten Feuerwehren unterschiedliche Aufgaben zu. Insgesamt 143 Einsatzkräfte aus Donndorf, Eckersdorf, Oberwaiz, Eschen, Busbach, Neustädtlein, Plankenfels und Seitenbach sowie die Löschzüge 19 (Mistelgau, Plösen-Gollenbach und Obernsees) und 26 (Glashütten und Mistelbach) waren beteiligt.
Zu den wesentlichen Aufgaben zählten die Menschenrettung unter Atemschutz, die unmittelbare Brandbekämpfung am Gebäude, die Bekämpfung des angenommenen Vegetationsbrandes sowie der Aufbau einer leistungsfähigen Löschwasserversorgung. Insbesondere das weitläufige Gelände und die kurvenreichen Anfahrtswege stellten dabei zusätzliche Anforderungen an die Einsatzkräfte und die Koordination der verschiedenen Abschnitte.
Bei der anschließenden Nachbesprechung ließ Bürgermeisterin Sybille Pichl die Übung bei einer von der Gemeinde Eckersdorf gesponserten Brotzeit gemeinsam mit den Beteiligten ausklingen. Sie dankte den Feuerwehrdienstleistenden für den eindrucksvollen Beweis ihrer Leistungsfähigkeit. Die Führungskräfte Daniel Ermer, Mathias Gerstenberger und Sven Kaniewski reflektierten den Übungsverlauf und beleuchteten die gewonnenen Erkenntnisse aus fachlicher Sicht.
Praxisnahe Ausbildung über das ganze Jahr
Die verschiedenen Übungsszenarien zeigen die Bandbreite der Anforderungen, auf die sich die Feuerwehren im Landkreis Bayreuth vorbereiten. Von Bränden in landwirtschaftlichen Anwesen und Wohngebäuden über komplexe Einsatzlagen in öffentlichen Einrichtungen bis hin zu einer möglichen Brandausbreitung auf Vegetationsflächen wurden unterschiedliche Herausforderungen aufgegriffen.
Solche Übungen bieten den Einsatzkräften die Möglichkeit, Abläufe unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren, die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren zu festigen und die Koordination unterschiedlicher Einsatzabschnitte zu erproben. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Bewältigung künftiger Einsatzlagen.
Fotos: FF Weidenberg, KBI Kerstin Schmidt, FF Schreez, KBI Sven Kaniewski, KBM Matthias Alberth, KBM Mathias Gerstenberger, Th.Nahr Text: KBM St. Bleuse























