Dienstversammlung der Kommandanten des Landkreises in Pottenstein

Dienstversammlung der Kommandanten des Landkreises in Pottenstein

Eines wurde bei der  Dienstversammlung der Kommandaten auf Landkreisebene am vergangenen Sonntag in Pottenstein überdeutlich: die unerlässliche Notwendigkeit eines permanenten, intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustauschs von der Basis, über die Feuerwehrführung hin zu den politischen Mandatsträgern – und umgekehrt. Daher sei auch eine Dienstversammlung nicht durch digitalen Schriftverkehr und sogenannte soziale Medien zu ersetzen, wie Landrat Hermann Hübner eingangs feststellte.
Die Kommandanten und deren Stellvertreter aus den 195 Feuerwehren des Landkreises Bayreuth, Inspektionsführungskräfte, Schiedsrichter, Ausbilder, Führungskräfte aus polizeilicher und nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr sowie zahlreiche Bürgermeister und politische Mandatsträger folgten der Einladung zu dieser Dienstversammlung, die in das 150jährige Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Pottenstein eingebettet war.
Statistiken dienen bekanntlich einer Analyse mit dem Ziel, Konsequenzen daraus zu ziehen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Die Statistik bei den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Bayreuth zeigt: leicht rückläufige Zahl bei den Aktiven und Jugendlichen, steigende Zahl beim Anteil der Frauen im Bereich des aktiven Dienstes. Sprich: der demografische Wandel und sich verändernde Lebensumstände vor allem durch Arbeit und Familie machen auch vor den Toren der Feuerwehrhäuser nicht Halt. Noch gibt es mit weit über 7000 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Landkreis Bayreuth kaum Probleme mit Ausrückezeiten und Personalstärke, auch bei Großschadensereignissen und immer häufiger werdenden Unwettereinsätzen kann sich der Bürger auf die schnelle und effektive Hilfe verlassen. Es zeigt aber auch: auf Dauer wird es ohne Vorsorge und Eigensicherung durch den Bürger selbst nicht funktionieren. Vollkaskomentalität und sinkender Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung gilt es, entgegen zu steuern. Darüber sind sich die politischen Mandatsträger und Verantwortliche von Feuerwehr und Rettungsdienst einig.
Auch das Thema „Erste Hilfe“ nimmt hier breiten Raum ein. Die Feuerwehr wird immer dann von der Integrierten Leitstelle alarmiert, wenn der öffentlich- rechtliche Rettungsdienst nicht zeitgerecht an der Einsatzstelle eintreffen kann und ein lebensbedrohlicher Zustand vorliegt. Hierzu zählen stark blutende Wunden sowie Herz- und Kreislaufstillstände. Nach heutigem Stand kann jede Feuerwehr, ohne Berücksichtigung der Ausrüstung und Ausbildung, alarmiert werden. Da es sich jedoch nicht um eine sogenannte Pflichtaufgabe der Feuerwehr nach Bayerischem Feuerwehrgesetz handelt, bleibt die Kommune auf den Kosten für diesen Einsatz sitzen. Im 2. Halbjahr 2018 wird es daher Dienstversammlungen mit Kommandanten und Bürgermeistern der 33 Kommunen im Landkreis geben, die klären, welche Feuerwehren künftig für Erste-Hilfe-Einsätze alarmierbar sind, so Kreisbrandrat Hermann Schreck.
Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst, Dr. Stefan Eigl, brach in seinem Kurzreferat eine Lanze für jegliche Initiative der Ersten Hilfe. Die Ausbildung von Bevölkerung und ehrenamtlichen Einsatzkräften habe einen hohen Stellenwert, rund zehn Prozent der lebensbedrohlichen Notfälle konnten durch schnelle Ersthelfer gerettet werden. Im Schnitt hatten die Feuerwehren 0-3 Erste-Hilfe-Einsätze. „Unsere Trainings geben allen Ersthelfern Sicherheit bei dieser schwierigen Aufgabe“, so Dr. Stefan Eigl. 
Neben Ausbildung und zeitgemäßer technischer Ausstattung gilt das größte Augenmerk der Nachwuchsgewinnung für die Arbeit in der ehrenamtlichen Hilfsorganisation. Kinderfeuerwehrgruppen, in der schon die Kleinsten spielerisch an das Thema herangeführt werden, sprießen geradezu aus dem Boden. Oberfranken und hier der Landkreis Bayreuth nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein. Bereits über 40 solcher Kindergruppen gibt es, Tendenz steigend. Zur nächsten Dienstversammlung rechnet Kreisbrandrat Schreck mit über 50 Gruppen. Schriftliche Handreichungen für die Feuerwehren mit Kindern stellt der Landesfeuerwehrverband zur Verfügung, bei der Neugründung kann ein Zuschussbetrag von 150 Euro abgerufen werden und Kinderfeuerwehrbeauftragte stehen mit Rat und Tat zur Verfügung.
Mit klaren Worten monierte Kreisbrandrat Hermann Schreck indes den steigenden Bürokratismus und Vorschriften, die dem Ehrenamt schwer zu schaffen machen. Beispielhaft nannte Schreck das Prozedere um die Lehrgangsanmeldungen an den Staatlichen Feuerwehrschulen, die nicht nur zu schlechten Auslastungen bei gleichzeitig langen Wartelisten führen. Auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung halte für die Ehrenamtlichen zusätzliche Hürden bereit. Gudrun Brendel-Fischer, Mitglied des Bayerischen Landtags und Beauftragte für das Ehrenamt, gab Entwarnung. Ministerpräsident Markus Söder habe der DSGVO ein vereins- und mittelstandsfreundliches Gesicht gegeben. „Die neue Datenschutzverordnung ist ein Schritt zu mehr Datenschutz, aber darf kein Bürokratiemonster werden. Kleine, vom Engagement Ehrenamtlicher getragene Vereine müssen keinen Datenschutzbeauftragten benennen. Wir setzen auf Hilfen statt Strafen.“
Landrat Hermann Hübner und Kreisbrandrat Hermann Schreck zollten den Ehrenamtlichen hohen Respekt. Motiviert gehe man an die Anforderungen der Zukunft heran.  
Text und Fotos: Carolin Rausch, Leiterin Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
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