Bei größeren und länger andauernden Einsatzlagen müssen Feuerwehren auch überörtlich schnell, sicher und strukturiert handeln können. Welche Anforderungen dabei bereits auf der Anfahrt und bei der Unterbringung der Einsatzkräfte zu beachten sind, war Thema der zweiten theoretischen Ausbildung zum Thema Feuerwehr-Hilfeleistungskontingente der Kreisbrandinspektion Bayreuth, welche am 16. September 2026 in Hollfeld stattfand.
Im Mittelpunkt standen die beiden Themen Fahren im Verband sowie Planung und Einrichtung einer Unterkunft für Einsatzkräfte. Die Schulung wurde von Kreisbrandmeister Michael Güllner und Marco Wenzel, Leiter der Logistik- und Verpflegungseinheit des BRK Hollfeld, gestaltet.
Kolonnenfahrt: Gemeinsam sicher ans Ziel
Bei der Verlegung eines Feuerwehr-Hilfeleistungskontingents sind zahlreiche Fahrzeuge gemeinsam über teilweise lange Strecken unterwegs. Damit der Verband sicher und geschlossen am Ziel ankommt, beginnt die Vorbereitung bereits vor der Abfahrt.
Die Fahrzeuge müssen technisch überprüft und die Einsatzkräfte mit den Besonderheiten der längeren Fahrt vertraut sein. Kontrolliert werden unter anderem Flüssigkeitsstände, Kraftstoff, Reifendruck, Beleuchtung, Sondersignalanlage sowie Druckluft- und elektrische Anschlüsse. Auch eine längere Probe- oder Bewegungsfahrt kann helfen, technische Probleme frühzeitig zu erkennen.
Am Sammelpunkt werden die verbindlichen Marschinformationen bekanntgegeben. Dazu gehören unter anderem Route, Geschwindigkeit, Abstände, Tank- und Technikhalte sowie die Kommunikationswege zum Kontingentführer.
Für die eindeutige Kennzeichnung der Fahrzeuge kommen unterschiedliche Flaggen zum Einsatz. So weisen beispielsweise eine gelbe Fahne auf ein defektes oder beschädigtes Fahrzeug und eine rote Fahne auf ein Fahrzeug mit erhöhter Gefahr hin. Das letzte Fahrzeug wird mit einer grünen Fahne gekennzeichnet.
Technik und Sicherheit unterwegs
Tank- und Rastpausen dienen gleichzeitig der technischen Kontrolle. Bremsanlage, Beleuchtung, Beflaggung und Ladungssicherung werden überprüft. Als einfache Gedächtnisstütze wurde der Merksatz „WOLKE“ – Wasser, Öl, Luft, Kraftstoff, Elektrik vermittelt.
Kommt es während der Fahrt zu einer Panne, steht zunächst die Sicherheit im Vordergrund. Das Fahrzeug soll nach Möglichkeit eine geeignete Haltemöglichkeit anfahren, die Führung ist zu informieren und die Schadensstelle abzusichern. Das weitere Vorgehen wird durch die zuständigen Führungskräfte koordiniert.
Unterkunft für Einsatzkräfte: Einsatzbereitschaft erhalten
Bei einem länger dauernden überörtlichen Einsatz benötigen die Einsatzkräfte nicht nur einen Schlafplatz. Ein Quartier muss so organisiert sein, dass Erholung und Einsatzbereitschaft gleichzeitig gewährleistet sind.
Bereits bei der Erkundung eines möglichen Objektes müssen deshalb die Außen- und Innenbereiche betrachtet werden. Zu prüfen sind unter anderem Zufahrten, Torbreiten, Tragfähigkeit, Wendemöglichkeiten sowie Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse.
Eine besondere Bedeutung hat die Stellfläche für die Einsatzfahrzeuge. Bei einem Verband mit 25 Großfahrzeugen werden in der vorgestellten Planung rund 2.000 Quadratmeter einschließlich Fahr- und Rangierflächen angesetzt. Werden zusätzlich Anhänger, Wechsellader oder separate Logistikflächen benötigt, kann der Bedarf auf etwa 2.500 bis 3.000 Quadratmeter steigen.
Entscheidend ist, dass die Fahrzeuge jederzeit geordnet und möglichst schnell wieder ausrücken können.
Schlafen, Versorgung und Hygiene
Auch die Innenräume müssen auf die Anforderungen eines Einsatzkräftequartiers abgestimmt sein. Für Einsatzkräfte werden im vorgestellten Planungsansatz 3,0 Quadratmeter Schlaffläche pro Person angesetzt. Bei 125 Einsatzkräften ergibt sich damit eine Netto-Schlaffläche von 375 Quadratmetern.
Zusätzlich werden Flächen für Führung, Verpflegung, Aufenthalt, Lagerung und die sanitäre Versorgung benötigt. Ebenso wichtig ist eine Trennung von verschmutzten und sauberen Bereichen, beispielsweise durch eine Schmutzschleuse beziehungsweise einen Schwarz-Weiß-Bereich.
Bei der Planung müssen außerdem ausreichend Toiletten, Duschen und Waschmöglichkeiten berücksichtigt werden. Reinigung, Verbrauchsmaterial und regelmäßige Kontrollen gehören ebenfalls zum Betrieb des Quartiers.
Klare Strukturen und schnelle Wege
Die Einrichtung erfolgt schrittweise. Zunächst werden die für einen sicheren Betrieb notwendigen Bereiche wie Stellflächen, Rettungswege, Toiletten und Schmutzschleuse geschaffen. Anschließend folgen Schlafbereiche, Wasser- und Stromversorgung, Küche, Ausgabe und Beschilderung.
Für die Fahrzeuge gilt ein klares Einbahn- und Zugprinzip. Jeder Zug erhält eine eigene Fahrspur, das Einrücken und Abrücken erfolgt zugweise. Dadurch bleibt der Verband auch während der Unterbringung jederzeit beweglich.
Eine zentrale Funktion übernimmt dabei der Quartiermeister. Er koordiniert die Unterbringung, die Raumaufteilung und die Belegung und ist Ansprechpartner für die Einsatzkräfte. Gleichzeitig meldet er Belegung, Mängel und weiteren Bedarf an die zuständige Führungsstelle Logistik.
Was ist bei einer Notunterkunft für die Bevölkerung anders?
Zum Abschluss wurde auch die Unterbringung betroffener Menschen betrachtet. Grundsätzlich können dafür ähnliche Gebäude wie Hallen oder größere Veranstaltungsräume genutzt werden. Die Anforderungen an die Nutzung unterscheiden sich jedoch deutlich.
Bei einem Einsatzkräftequartier steht die Erhaltung der Einsatzbereitschaft im Mittelpunkt. Die Unterkunft muss deshalb eng mit Fahrzeugaufstellung, Führung, Logistik und den Einsatzabläufen verbunden sein.
Bei einer Notunterkunft für die Bevölkerung stehen dagegen Schutz, Versorgung und Betreuung im Vordergrund. Bei der Raumaufteilung müssen beispielsweise Familienzusammenhalt, Privatsphäre, Barrierefreiheit sowie die Bedürfnisse besonders schutzbedürftiger Personen berücksichtigt werden.
Auch die Größenberechnung unterscheidet sich: Für betroffene Personen werden im vorgestellten Planungsansatz 4,0 Quadratmeter Schlaffläche pro Person angesetzt. Die tatsächliche Belegung wird jedoch ebenso durch Brandschutz, Rettungswege, Sanitäranlagen und weitere notwendige Funktionsbereiche begrenzt.
Mit der sogenannten 1-%-Planung wird zudem ein Mengengerüst für die mögliche Unterbringung betroffener Personen betrachtet. Bei 120.000 Einwohnern wären dies beispielsweise 1.200 Personen. Die Zahl bedeutet nicht, dass diese Menschen in einer einzigen Unterkunft untergebracht werden müssen. Vielmehr geht es darum, im Vorfeld geeignete Objekte und Kapazitäten zu identifizieren.
Theorie wird zur Praxis
Das in den Ausbildungen Teil I und Teil II vermittelte Wissen bleibt nicht nur Theorie. Bereits am kommenden Wochenende wird es im Rahmen einer zweitägigen Verlegeübung in den Landkreis Aschaffenburg praktisch angewendet.
Dabei werden die Inhalte zur Kolonnenfahrt und zur Organisation des Einsatzkräftequartiers mit weiteren Einsatzübungen aus den Bereichen Waldbrand und Hochwasser verbunden. Die Einsatzkräfte können damit die zuvor vermittelten Grundlagen unmittelbar unter realitätsnahen Bedingungen anwenden und die Abläufe im Zusammenspiel verschiedener Einsatzszenarien erproben.
Vorbereitung als Grundlage für erfolgreiche Hilfeleistung
Die Ausbildung zeigte, dass überörtliche Hilfeleistung weit über die eigentliche Tätigkeit an der Einsatzstelle hinausgeht. Eine sichere Anfahrt, funktionierende Logistik und eine durchdachte Unterbringung sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Einsatzkräfte auch bei länger dauernden Einsätzen leistungsfähig bleiben.
Mit der vermittelten Kombination aus Fahrzeugtechnik, Verbandsfahrt, Unterkunftsplanung und Logistik wurden den Feuerwehrdienstleistenden wichtige Grundlagen für zukünftige Einsätze dieser Art vermittelt.
Fotos/Text: KBM St. Bleuse









