Verbandsversammlung des KFV Bayreuth e. V.

Was bewegt die Feuerwehren im Kreisfeuerwehrverband Landkreis Bayreuth? Am Freitag, 05.04.2019 trafen sich die Delegierten der Feuerwehren im Landkreis Bayreuth zur Verbandsversammlung, um Bilanz zu ziehen und um zu sagen, wo der Schuh drückt.

Von der zuständigen Kreisbrandinspektorin Kerstin Schmidt begrüßt, waren 183 Delegierte der “für Gottes Lohn ehrenamtlichen arbeitenden Mitgliedsfeuerwehren” in der Sportarena zusammengekommen. Es ist einer der wichtigsten Termine des Jahres mit Bestandaufnahme, Zahlen, Ehrungen und Ausblicke. Die gesamte Organisation, Aufbau und Bewirtung hatten Abordnungen der elf Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Speichersdorf übernommen. Wie wichtig den Kommunen die Feuerwehren sind, demonstrierten 33 anwesende Bürgermeister oder ihre Stellvertreter. Neben Kreisräten, Vertretern von Polizei, BRK, THW und Integrierter Leitstelle unter den Gästen Pfarrer Dirk Grafe und Vertreter des Landratsamtes.

Stellvertretend für alle verstorbenen Kameradinnen und Kameraden erhob sich die Versammlung zum Gedenken an dem am 25. August 2018 im Alter von 76 Jahren verstorbenen Ehrenkreisbrandrat Ludwig Lauterbach.

Vorsitzender, KBR Hermann Schreck

Was den Kreisfeuerwehrverband und die Feuerwehren bewegt erläuterte anschließend Kreisbrandrat Hermann Schreck.

Der Kreisfeuerwehrverband:

Auf Mitgliederebene hat der Kreisfeuerwehrverband mit seinen 180 Freiwilligen Feuerwehren und der Werksfeuerwehr KSB Pegnitz in allen Bereichen zugelegt. Die Gesamtzahl der Mitglieder wuchs um 131 auf 16242, die Zahl der Aktiven um 110 auf 6160. Um 52 stieg die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder, um 16 die Jugendfeuerwehr, um 108 die Kinderfeuerwehren.

Unfallverhütungsvorschriften

Vollzug meldete Schreck seit dem 23. Januar in Bayern. Die besonderen Belange der Freiwilligen Feuerwehren seien berücksichtigt, die Aspekte eines modernen Arbeitsschutzes eingeflossen. Im Vordergrund stehe die Entlastung des Ehrenamtes und die stärkere Verpflichtung für den Arbeitgeber. Wie Schreck seine Mitglieder schon mal vorbereitet werden Hygiene und Gesundheitsschutz zentrale Themen der Zukunft. Dabei gehe es um bauliche Einrichtungen (Umkleidemöglichkeiten in Feuerwehrgerätehäusern), technische Einrichtungen wie Absauganlagen und Schwarz-/Weiss-Bereiche an Einsatzstellen (Nahrungsaufnahme, Schutzkleidung, Gerätschaften). Der Verband werde dazu ein Seminar am 18. Oktober in Seybothenreuth anbieten.

EU – Datenschutzgrundverordnung:

Viele Feuerwehren haben bereits gehandelt und Homepages, Satzungen und Listenführungen angepasst, berichtete Schreck. Er empfahl, Übersichten zur Datenerfassung und Datenverwendung zu führen. Für Gefahrenquellen wie Daten auf einer Fensterbank sollte einem Fremdzugriff vorgebeugt werden.

Brandschutzerziehung:

In der seit 30 Jahren bestehenden Brandschutzerziehung werden im weiteren Ausbau der Brandschutzerziehungsangebots die Altersgruppe 35 Jahr aufwärts ins Visier genommen, kündigte Schreck an. Entsprechende Angebote für Migranten und Personen mit Handicaps, für Kinder und pflegebedürftige Personen seien entwickelt. Erhebliche finanzielle Mittel des Kreisfeuerwehrverbandes Bayreuth würden eingesetzt für die Umrüstung der Brandschutzerziehungskoffer auf moderne Telefone

Kinderfeuerwehren

Eine Erfolgsgeschichte ist die im Landkreis zwischenzeitlich auf knapp 50 Gruppen angewachsenen Kinderfeuerwehren. Weitere sind bereits in Gründung. Mit Melanie Walter, Kathrin Fiedler, Kerstin Auernheimer und Christina Jäger stehen in den Inspektionen qualifizierte Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Der Verband unterstützt in jeder Inspektion einmal im Jahr eine Kinderveranstaltung, die Versicherungskammer Bayern jede Gründung mit je 150 Euro. Für jede Kinderfeuerwehr gibt es nach der Gründung eine kostenlose Handreichung beim Landesfeuerwehrverband Bayern.

Das Bayerische Feuerwehrerholungsheim St. Florian

Höchst beliebt sind die 40 Freiplätze, wenngleich diese nicht von allen genutzt werden, so Schreck. Hier sei nicht nur ein kostengünstiger Urlaub möglich. Themenwochen und Wellnesstage, der von den Kommunen gesponserte zweite Platz für die Familienangehörigen, der Deal mit den Thermenbetreibern vor Ort haben die Attraktivität erhöht. Zimmereinrichtungen würden ständig erneuert, Bäder renoviert, TV – Geräte ausgetauscht. Aufgrund eine 94prozentigen Auslastung mahnte er zur frühzeitigen Buchung.

Schwimmsaugersponsoring der Versicherungskammer Bayern

Speziell kleinere Feuerwehren in jeder Inspektion des Landkreises bekommen fünf Schwimmsauger finanziert. An die Saugschläuche gekuppelt ermöglichen sie die Wasserentnahme ohne Störungen durch Verschmutzungen wie Laub und Schlamm an der Saugstelle. Auch bei sehr geringen Wasserstand ist eine Wasserentnahme mit den Saugschläuchen möglich. In Gebäuden ist bei Wasserschäden ein Absaugen bis auf wenige Zentimeter möglich.

Diebstahlserie

Schreck warnte vor Einbruch- und Diebstahlserien. Vor allem akkubetriebene Rettungsspreizer würden gestohlen, um Geldautomaten zu knacken. Schreck riet, auf Veröffentlichungen von Beschaffungsmaßnahmen von neuen Geräten zur Personenrettung in den Presse und in sozialen Netzwerken zu verzichte werden und die Gerätehäuser und Fahrzeugausstattungen regelmäßig zu kontrollieren.

Einführung der “Digitalen Alarmierung”

Die Umstellung von der analogen zur digitalen Alarmierung ist aktuell das größte Sorgenkind des Kreisfeuerwehrverbandes. “Wir werden am Ball bleiben und sie bestmöglich unterstützen”, beschrieb Landrat Hermann Hübner die Stand der Dinge. Es sei sicher ein Kraftakt. “Aber wir brauchen keine Diskussion mehr führen über das Ob. Wir müssen uns mit dem Wie und dem Wann auseinandersetzen und Schwachpunkte ausmerzen.”

Am Ende eines schwierigen Prozesses sollen die analogen Sender, vergleichbar den Fernsehprogrammen, die es nur noch digital gibt, abgeschaltet werden können und durch digitale Geräte ersetzt sein. Dabei sind es schon große Hürden, die den Weg zur kompletten Digitalisierung des Funkes und der Alarmierung der Feuerwehren und der Rettungsdienste pflastern. Schwierig allein für die Kommunen, so Rausch, die auf die Realisierung der digitalen Pager warten. Einerseits ist es ein Kostenfaktor, der auf sie zukommt. Es gebe in den Ortswehren eine Vielzahl alter analoger Pipser. Wenn diese defekt sind, halten sich die Kommunen mit Ersatzbeschaffungen zurück. Warum sollen sie in alte Geräte investieren, wenn in einem Jahr das analoge Geräte durch ein digitales ausgewechselt werden müsse. Hier warten und drängen die Kommunen und die Feuerwehren auf Entscheidungen. Auch gebe es zu den Kosten noch keine konkreten Zahlen. Der Kreisfeuerwehrverband ist natürlich bestrebt, die Digitalisierung zu den besten Konditionen zu realisieren und umzusetzen, so Schreck.

Die Vorbereitungen für das Projekt haben begonnen. Die Bürgermeister der Landkreise Kulmbach und Bayreuth sind informiert. Der Verwaltungsaufwand sei enorm, so Schreck. Deshalb sei eine Stelle beim BRK Kreisverband Bayreuth für die Verwaltungstätigkeiten geschaffen und bereits besetzt worden. Aktuell liegt jedoch das Hauptproblem darin, dass noch nicht gewährleistet werden kann, dass die Pager funktionieren und die Feuerwehren nicht zu spät zur Hilfeleistung kommen. Aktuell fährt man deshalb auf zwei Ebenen. “Pipst er oder pist er nicht”, faßte Schreck das aktuell große Fragezeichen in der Einsatzfähigkeit der digitalen Paper zusammen. In der Umsetzung, so berichtete Schreck, hätten Erfahrungen aus dem Oberland gezeigt, dass die digitalen Pager nicht überall funktionieren und die Technik der Geräte nachgebessert werden müssten. Anstatt eine übereilten flächendeckenden Einführung sei deshalb eine Testphase mit rund 50 Pagern von circa sechs Monaten im Bereich der Integrierten Leitstelle geben. Dabei werden diese Geräte an verschiedene Feuerwehrdienstleistende ausgegeben und durchgewechselt. Es werden in kurzen Zeitabständen Probealarme erfolgen, damit die Qualität des Netzes getestet werden kann. Es reiche nicht, wenn die Planer sagen, dass eine gute Auslastung gegeben sei und dass große Flächen abgegriffen werden könnten. Es sei unverantwortlich, wenn Flächen und Bebauungen nicht alarmierbar seien, betonte er. “So hoffen wir Versorgungslücken zu finden und gegebenenfalls Verbesserungen des Netzes angehen zu können.

Auch in den technischen Anforderungen an den Pager sah Schreck Handlungsbedarf. So lasse die Akkustandzeit zu wünschen übrig. Die Geräte seien auch viel zu globig. Eine extreme Verkleinerung der Bauform führe aber andererseits zu Qualitätsverschlechterung etwa bei der Antenne. Auch verfügten die Geräte über keine Sprachausgabe. “Wie soll da der Feuerwehrmann mitbekommen, was los ist”, kritisierte er. In einem Brandbrief der kommunalen Spitzenverbände vom 7. März an das Innenministerium werde das Anliegen auf Nachbesserungen unterstützt. Auch der Landesverband Bayern sei bemüht um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Dazu gehöre auch ein Stichtag der Erhebung zur Fördermöglichkeit der Pager. Angestrebt werde auch eine zeitlich gestaffelte Landesausschreibung.

Der Feuerwehrvorsitzender Ramsenthal Werner Fuchs bemängelte, dass für Gruppenführerlehrgänge zu wenig Lehrpersonal zur Verfügung stehe. Er forderte, dass seitens des Landesfeuerwehrverbandes die Kapazitäten aufgestockt werden müßten. Schreck bestätigte, dass das Platzangebot nicht reiche. Vor allem nachdem jetzt ein zweiter Kommandantenstellvertreter möglich sei. Auch seien Kommandanten mit 24, 18 und zwölf Dienstjahre seltener geworden. Noch schlimmer sei der Durchlauf bei Jugendwarten. Sie würden noch früher ihr Amt wieder abgeben. Deshalb sei ein erhöhter Bedarf an Ausbildung gegeben. “Wir dürfen schon froh sein, wenn wir die Hälfte unserer Warteliste unterbringen können, wenn ein Lehrgang angeboten wird.

Der Kreisbrandrat betonte, dass fertig ausgebildete Lehrkräfte schwierig zu bekommen und auch schwer zu halten seien. Sie würden bei Werks- und Berufsfeuerwehren besser bezahlte Stellen bekommen. Der Freistaat habe zwar unter den 65 neue Stellen für die Feuerwehrschulen einige für Lehrkräfte geschaffen. Auch sei ein ein neues Fachlehrermodul geschaffen worden. Doch die Umsetzung dauere. Kollektives Jammern helfe hier nicht weiter. Hier sei Handlungsbedarf gegeben. Eine Aufstockung des Lehrpersonals müsse eingefordert werden.

Die nächste Verbandsversammlung findet am 24. April 2020 in Nemmersdorf statt.

Text: Wolfgang Hübner, Fotos: Carolin Rausch

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